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Lutherdenkmal zu Worms

Das Lutherdenkmal in Worms, Foto: Rudolf Uhrig 
Das Lutherdenkmal in Worms, Foto: Rudolf Uhrig

Weltgr??tes Denkmal der Reformation, 1868 eingeweiht. Luthers Lied ?Ein feste Burg ist unser Gott”, in Stein umgesetzt, umrahmt die bronzenen Figuren.?

Martin Luther steht über frühen Reformatoren, den ?Vorreformatoren“, umgeben von Fürsten und Gelehrten sowie Personifikationen von wichtigen St?dten aus der Geschichte und Nachgeschichte der Reformation. Den inneren Denkmalsockel zieren Bronzereliefs mit Szenen aus der Reformation.?

Martin Luther, die zentrale Figur auf dem Lutherdenkmal, Foto: Rudolf Uhrig 
Martin Luther, die zentrale Figur auf dem Lutherdenkmal, Foto: Rudolf Uhrig
Enthüllung des Lutherdenkmals am 25. Juni 1868, Stadtarchiv Worms 
Enthüllung des Lutherdenkmals am 25. Juni 1868, Stadtarchiv Worms
Die Werkstatt von Ernst Rietschel um 1867, Wikimedia Commons 
Die Werkstatt von Ernst Rietschel um 1867, Wikimedia Commons
Grundriss des Lutherdenkmals 
Grundriss des Lutherdenkmals
Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen [6] 
Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen [6]
Johann Reuchlin [8] 
Johann Reuchlin [8]
Philipp Melanchthon [10] 
Philipp Melanchthon [10]
Augsburg mit der Friedenspalme [7] 
Augsburg mit der Friedenspalme [7]
Die protestierende Speyer [9] 
Die protestierende Speyer [9]

Luthers Widerrufsverweigerung auf dem Wormser Reichstag von 1521 hat bis heute weltweit deutlich sichtbare Spuren in Geschichte und Gegenwart hinterlassen. Da kein Geb?ude erhalten ist, in dem Luther sich aufgehalten hat, erinnern nur einige Hinweise in der Stadt an Luthers Auftritt.?

Wichtigstes Monument dieser Erinnerung ist die weltgr??te Reformationsdenkmalanlage? der Welt auf dem Lutherplatz. Einige Stufen führen zu dem monumentalen begehbaren Denkmal.?

Zw?lf Jahre dauerte seine Fertigstellung, von der Initiative des Gymnasialprofessors Dr. Friedrich Eich und des Dekans Eduard Franz Keim sowie der Gründung des Denkmal-Vereins 1856 bis zur Einweihung des Denkmals in Anwesenheit des preu?ischen K?nigs und sp?teren deutschen Kaisers Wilhelm I. und vieler Ehreng?ste unter gro?er Anteilnahme der Bev?lkerung am 25. Juni 1868.

Entworfen wurde das Denkmal von dem Dresdener Künstler Ernst Rietschel. Da Rietschel nach der Anfertigung von zwei Figuren (Luther und Wyclif) im Jahre 1861 starb, wurden die weiteren Gestalten nach dem vorliegenden Entwurf von seinen Schülern Adolf von Donndorf, Gustav Kietz und Johannes Schilling ausgeführt.?

In der Mitte der Anlage steht Luther auf einem hohen Sockel. Er tr?gt die Schaube, den Professorentalar, w?hrend er 1521 in Worms sicher seine M?nchskutte getragen hat. Dem Künstler war die inhaltliche Botschaft wichtiger als Historizit?t, deshalb zeigt er den Bibelprofessor, der in der linken Hand die Bibel h?lt und die zur Faust geballte Rechte darauf legt: sola scriptura (allein die Schrift) lautet die Botschaft, die auf dem Wormser Reichstag eine wichtige Rolle spielen sollte.

Zu Fü?en Luthers sitzen vier Vertreter der frühen Reformation vor Luther, die zugleich die europ?ische Dimension der Reformation repr?sentieren: Petrus Waldus (um 1180; Frankreich), John Wyclif (ca. 1320–1384; England), Jan Hus (ca. 1369–1415; B?hmen/Tschechien) und Girolamo Savonarola (1452–1498); Italien). Die Figuren, auch gern als Vorreformatoren bezeichnet, wirken wie Wurzeln, aus denen Luther emporw?chst.?

Dabei dürften am ehesten John Wyclif und der 1415 in Konstanz verbrannte Jan Hus durch ihre auf Bibelauslegung gründenden Reformvorhaben als Vorl?ufer Luthers gelten. Umgeben ist das Denkmal von Mauerzinnen, die Luthers bekanntestes Lied versinnbildlichen: Ein feste Burg ist unser Gott.

Die weltliche Macht und die Macht des Geistes sind verk?rpert in den Figuren auf den vier Eckpostamenten: Kurfürst Friedrich der Weise (1463-1525) und Landgraf Philipp von Hessen (1504 – 1567) flankieren wie W?chter den Aufgang zum Denkmal. Beide tragen als Zeichen ihrer weltlichen Macht ein Schwert.?

Nach dem Tod Kaiser Maximilians lehnte Friedrich die ihm angetragene Kaiserkrone? ab, deshalb liegt sie der Figur zu Fü?en. Stolz auf seine junge aufstrebende Universit?t in Wittenberg, genoss einer seiner vielversprechenden Professoren, Martin Luther seit dem Thesenanschlag 1517 seinen Schutz.?

Er verhinderte, dass mit Luther ein kurzer Prozess gemacht wurde und erzwang das Verh?r auf dem Reichstag in Worms. Noch bevor das dann erlassene Wormser Edikt Rechtskraft erlangte,?der Verh?ngung der Reichsacht über Luther, lie? er ihn auf der Heimreise entführen und auf die Wartburg bringen. Ohne seinen Schutz w?re die Reformation zum Scheitern verurteilt gewesen. Pers?nlich begegnet ist ihm Luther nie im Gegensatz zu der anderen dargestellten weltlichen Führungsgestalt der Reformation, Philipp von Hessen. Auf dem Wormser Reichstag war Philipp 20 Jahre alt.?

Seine Jugend f?llt ins Auge, wenn man die Denkmalfigur mit der Friedrichs des Weisen vergleicht. Er war für den weiteren Verlauf der Reformation sehr wichtig, er protestierte 1529 in Speyer zusammen mit anderen Fürsten gegen die Durchsetzung des Wormser Edikts, er lud Luther und Zwingli im gleichen Jahr nach Marburg zu einem Gespr?ch über die Abendmahlsfrage, das allerdings zu keiner Ann?herung der Standpunkte führte.?

1526 erlie? er für sein Herrschaftsgebiet die erste Kirchenordnung in Homberg. Er war zum einen weltlicher Beschützer der Reformation und Führungsfigur im Schmalkaldischen Bund, der zum Schutz der Reformation gegründet wurde. Er nahm als Landesherr aber auch seine Verantwortung zur Ordnung der kirchlichen Verh?ltnisse wahr. Leider schw?chte er seine Position durch die Heirat von Margarete von der Saale im Jahre 1540, weil er sich dadurch der Bigamie schuldig machte.

Auf den hinteren Postamenten stehen der Humanist und Sprachforscher Johannes Reuchlin (1455-1522) sowie Luthers engster Freund und Mitarbeiter Philipp Melanchthon (1497-1560). Reuchlin legte durch seine Erforschung des Hebr?ischen und die Herausgabe einer hebr?ischen Grammatik die Grundlage für die philologische Arbeit am Alten Testament.?

Der Reformation angeschlossen hat er sich nicht. Melanchthon, der kleine Grieche, wie Luther ihn genannt hat, hat die confessio augustana verfasst, in der auf dem Reichstag in Augsburg 1530 die evangelische Lehre erstmals systematisch vorgetragen wurde. Bei der Bibelübersetzung war der in den alten Sprachen vorzüglich ausgebildete Humanist Luthers wichtigster Mitarbeiter.

Zwischen den ?u?eren Figuren in der Mitte der jeweils ?u?eren die Anlage umschlie?enden? Seite befinden sich auf etwas niedrigeren Postamenten drei sitzende Frauenfiguren. Sie repr?sentieren protestantische St?dte. Auf der hinteren Seite sehen wir die Protestierende Speyer.?

Sie erinnert an den Reichstag von 1529 in Speyer und die Protestation evangelischer Fürsten gegen den Reichstagsbeschluss, das Wormser Edikt durchzusetzen.? Zwischen Friedrich dem Weisen und Reuchlin ist der Augsburger Friede platziert.?

Die Frauenfigur, erkennbar an dem Palmenzweig, erinnert an die vorl?ufige Einigung im Jahre 1555, wo in Augsburg unter der Formel cuius regio eius religio (wessen Gebiet dessen Religion) ein Friede zwischen Lutheranern und Katholiken geschlossen wurde, genauer gesagt der Glaube gem?? der Augsburgischen Konfession bis zu einer endgültigen L?sung reichsrechtliche Anerkennung fand.

Dieser Friede sollte ein vorübergehender Waffenstillstand bleiben. 1618 brach der Drei?igj?hrige Krieg aus. In seinem Verlauf wurde die Stadt Magdeburg 1631 von kaiserlichen Truppen belagert. Dabei starben 20.000 Menschen.??

An die Leiden der Stadt erinnert die Trauernde Magdeburg. Ihr Kopf ist halb verhüllt und gesenkt, die Haltung der Trauer ist deutlich sichtbar. So bildet das Wormser Lutherdenkmal nicht nur ein Stück Reformationsgeschichte ab, sondern gestaltet auch die Folgen der Reformation. Am Hauptsockel sind auf Reliefplatten Szenen aus Luthers Leben dargestellt.?

Portr?tmedaillons? jeweils darüber zeigen weitere Mitarbeiter und F?rderer der Reformation. Das Relief auf der Vorderseite stellt die Reichstagsszene dar. In der rechten oberen Ecke ist Ernst Rietschel, der Künstler, zu sehen. Vor ihm stehen die beiden Initiatoren? Gymnasialprofessor Dr. Friedrich Eich und Dekan Eduard Franz Keim.?

Auf der linken Bildseite sind au?er dem Kaiser und dem Offizial Dr. Johannes von der Ecken die Kurfürsten dargestellt. Darüber befinden sich Portr?ts von Johann dem Best?ndigen, dem Bruder und Nachfolger Friedrichs des Weisen und? Johann Friedrich dem Gro?mütigen, dem Sohn und Nachfolger des Letzteren.?

Unter den Portr?ts Ulrich von Huttens und Franz von Sickingens befindet sich ein Relief mit dem Wittenberger Thesenanschlag, unter den Portr?ts Zwinglis und Calvins ein Doppelrelief zu Abendmahl in beiderlei Gestalt und Priesterehe, schlie?lich unter den Portr?ts von Justus Jonas und Johann Bugenhagen ein Doppelrelief zu den Themen Bibelübersetzung und Predigtamt.?

Das Lutherdenkmal ist ganzj?hrig frei zug?nglich
(die Anlage ist barriefrei, das Denkmal selbst nicht)


Bildergalerie zum Lutherdenkmal

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