Jüdischer Friedhof "Heiliger Sand"

Jüdischer Friedhof "Heiliger Sand" (Foto: Bernward Bertram)
Jüdischer Friedhof "Heiliger Sand" (Foto: Bernward Bertram)

Der alte jüdische Friedhof "Heiliger Sand" ist bis in die heutige Zeit von gro?er Bedeutung für Juden weltweit. Zahlreiche einflussreiche jüdische Gelehrte und Rabbiner wurden hier beigesetzt. Die ?ltesten Grabsteine stammen aus dem Jahre 1058/59 und dokumentieren damit die erste gro?e Blütezeit der seit etwa dem Jahre 1000 nachweisbaren jüdischen Gemeinde in Worms.
Der "Heilige Sand" ist damit der ?lteste "in situ" erhaltene jüdische Friedhof Europas!


Jüdische Besucher kommen nach Worms, in der jüdischen Literatur als ?Jerusalem am Rhein“ bekannt, um die Gr?ber von Rabbi Meir von Rothenburg (gestorben 1293) und Alexander ben Salomon Wimpfen (gestorben 1307) zu sehen. Weitere wichtige Grabst?tten liegen vor allem im so genannten ?Rabbinertal“ und seiner Umgebung. Hier finden sich unter anderem die Gr?ber von Rabbi Nathan ben Issak (gestorben 1333), Rabbi Jakob ben Moses halevi, genannt MaHaRil, (gestorben 1427), Rabbi Meir ben Isaak (gestorben 1511) und Elia Loanz, genannt Baal-Schem (gestorben 1636).?

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Er ist der ?lteste Judische Friedhof in Europa - der "Heilige Sand" in Worms (Foto: R. Uhrig)?
Er ist der ?lteste Judische Friedhof in Europa - der "Heilige Sand" in Worms (Foto: R. Uhrig)
Die ?ltesten Grabm?ler stammen aus dem 11. Jahrhundert (Foto: Ingo Hamann)?
Die ?ltesten Grabm?ler stammen aus dem 11. Jahrhundert (Foto: Ingo Hamann)
Sind Ziel von Besuchern aus aller Welt: die Grabst?tten von Rabbi Meir von Rothenburg (links, (gestorben 1293) und Alexander ben Salomon (gestorben 1307)?
Sind Ziel von Besuchern aus aller Welt: die Grabst?tten von Rabbi Meir von Rothenburg (links, (gestorben 1293) und Alexander ben Salomon (gestorben 1307)

Der "Heilige Sand" - ein bedeutendes Kulturdenkmal

Der Alte Judenfriedhof z?hlt zweifellos zu den bedeutendsten Kulturdenkm?lern im Wormser Stadtgebiet. Er hat aufgrund seines Alters, der Jahrhunderte langen, ununterbrochenen Belegung, des Erhaltungszustandes, der Zahl und Bedeutung der hier bestatteten Pers?nlichkeiten aus dem jüdischen Worms sowie aufgrund des beispiellos reichen Inschriftenmaterials aus nahezu 900 Jahren europ?ischen Rang.

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SchUM St?dte


Dank der Synagogenstiftung von 1034 und als Wirkungsort zahlreicher Rabbiner seit dem 11. Jahrhundert bildete diese Gemeinde zusammen mit denen von Mainz und Speyer die der SCHUM-St?dte. ?Schum" ist aus den hebr?ischen Anfangsbuchstaben der Namen der drei Kommunen abgeleitet.
Die Beschlüsse der Synoden dieser St?dte waren ma?gebend für die deutschen Juden. Worms entwickelte sich zu einem der herausragenden Zentren jüdischer Gelehrsamkeit am Rhein mit weiter Ausstrahlung in das rechtsrheinische Aschkenas, wie die hebr?ische Bezeichnung für Deutschland lautete.

Mittelalter

Ein für die Geschichte des au?erhalb der Stadt südwestlich vor der hochmittelalterlichen Stadtmauer gelegenen Friedhofes wichtiger Tatbestand ist die Kontinuit?t der Existenz einer jüdischen Gemeinde über alle Vertreibungen und Pogrome hinweg vom 11. Jahrhundert bis in die NS-Zeit. Der Friedhof, nach jüdischer Vorstellung Ort der ewigen und unantastbaren Totenruhe, ist ein Spiegel der vielf?ltig mit der Stadtgeschichte verschr?nkten Gemeindegeschichte.

Der Friedhof sah sich w?hrend des Mittelalters und der frühen Neuzeit immer wieder potentiellen übergriffen seitens der Stadt im Umfeld von Pogromen und bei Konflikten zwischen beiden Seiten ausgesetzt, unter anderem in den Jahren 1519 und 1615. Er wurde um 1260 erweitert und eingefriedet, dann erneuert nach der Auflassung des ?u?eren Verteidigungsrings im Gefolge der Stadtzerst?rung von 1689. Von Bedeutung wurde eine Umgestaltung zu Beginn des 17. Jahrhunderts, die unter anderem durch das Waschhaus und das inschriftliche Totengebet im Eingangsbereich dokumentiert wird.

Neuzeit

Bald nach der Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich die Gemeinde um die abschriftliche Dokumentation des überaus wertvollen und durch Verwitterung und andere Einflüsse bis heute gef?hrdeten Inschriftmaterials des Friedhofes zu bemühen. Seine umfassende wissenschaftliche Bearbeitung steht trotz verschiedener Anl?ufe und Materialsammlungen bis heute aus. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts strebte die Gemeinde die Neuanlage eines Friedhofes an, die schlie?lich 1911 gelungen ist. Der Friedhof blieb w?hrend der Jahre der NS-Diktatur unter im Einzelnen nur schwer nachvollziehbaren Umst?nden von übergriffen oder Sch?ndungen verschont (lesen Sie hier mehr darüber); einige Bombentreffer richteten bis 1945 punktuelle Zerst?rungen an.

Nach Kriegsende wurden der Friedhof von der Stadt wieder in einen würdigen Zustand versetzt, zerst?rte Grabsteine so weit m?glich und vertretbar wieder hergestellt und das W?rterhaus neu errichtet.

Ein "Wallfahrtsort" für jüdische Besucher aus aller Welt


Der Friedhof geh?rt heute der Jüdischen Gemeinde Mainz als Rechtsnachfolgerin der vormaligen Israelitischen Religionsgemeinde Worms und wird von der Stadt Worms unterhalten. Aufgrund der gro?en Zahl von Gr?bern bekannter Juden, unter ihnen viele bis heute wichtige Gelehrte, Rabbiner, Stifter und M?rtyrer, und in Verbindung mit dem hohen Ansehen der vormaligen Gemeinde Worms als "Klein-Jerusalem" ist er eine Art "Wallfahrtsort" für jüdische Besucher aus aller Welt.

Beschreibung

Der Friedhof, gelegen im Dreieck von Willy-Brandt-Ring (hier ist auch der Eingang), Andreasstra?e und den Bahngleisen, teilt sich in einen ?lteren, niedriger gelegenen und einen jüngeren Teil, der auf den Resten der im sp?ten 17./frühen 18. Jahrhundert aufgelassenen Umwallung der Stadt liegt.
Die ?ltesten Grabsteine — aus dem 11. und 12. Jahrhundert haben sich etwa 50 Steine erhalten — befinden sich vor allem im südlichen Teil, wo auch mit dem "Rabbinertal" eine besonders hohe Dichte von Grabst?tten bekannter Gelehrter angetroffen wird.

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Der Gesamtbestand der erhaltenen Steine betr?gt für beide Teile des Heiligen Sandes etwa 2500 Stück. So gut wie alle befinden sich in situ. Im Gegensatz zur sonst üblichen Ostausrichtung der Grabsteine weist der Wormser Heilige Sand eine Ausrichtung nach Süden auf, ein Umstand, der bislang nicht überzeugend erkl?rt wurde.

Wenngleich keine klare Belegungsabfolge erkennbar wird, so lassen sich doch zeitlich und vermutlich auch verwandtschaftlich zusammenh?ngende Schwerpunkte ausmachen. Der Ort diente seit dem sp?ten Mittelalter auch umliegenden Gemeinden ohne eigenen Friedhof als Begr?bnisst?tte. Die Steine sind in ungew?hnlicher Fülle vorhanden und zeigen in dieser Form nur h?chst selten anzutreffenden Reichtum in Formensprache und Gestaltung.

Der ?ltere Teil des Friedhofes umfasst etwa 1150 noch aufrechte Steine aus der Zeit zwischen dem sp?ten 11. und dem 17. Jahrhundert; der neuere Teil mit etwa 1250 noch stehenden Steinen reicht in seiner Belegung vom 18. Jahrhundert im wesentlichen bis 1911, als die Israelitische Gemeinde auf der Hochheimer H?he neben dem neuen Kommunalfriedhof eine neue Begr?bnisst?tte mit noch erhaltener Trauerhalle errichtet hat.

Vor allem im Lauf des 19. Jahrhunderts setzte sich die deutschsprachige Beschriftung der Steine und überhaupt eine christlichen Formen angen?herte Grabkultur durch, Zeugnis für die starke Akkulturation der mehrheitlich dezidiert liberalen Wormser Juden an die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft. Bis 1937 wurden noch einzelne Bestattungen in Familiengr?bern durchgeführt, seither ist der Friedhof nicht mehr im Gebrauch.

Rechts vom Eingang mit dem W?rterh?uschen befinden sich ein Brunnen zum H?ndewaschen und das aus der Zeit um 1625 stammende Leichenwaschhaus, eine Stiftung des reichen und stiftungsfreudigen Gemeindemitglieds David Oppenheimer.

Am Weg zum neueren Teil, ganz im Norden des Areals, befindet sich mit dem Doppelgrab von?Rabbi Meir von Rothenburg (gest. 1293) und Alexander Salomo ben Wimpfen (gest. 1307) ein herausragendes und vielfach aufgesuchtes Monument der Erinnerung an zwei namhafte Glaubenszeugen des aschkenasischen Judentums.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie zum "Heiligen Sand".

Warum hei?t der Wormser Judenfriedhof "Heiliger Sand"? - lesen Sie hier mehr

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Service

Adresse:

Jüdischer Friedhof "Heiliger Sand"
Willy-Brandt-Ring 21
67547 Worms

Lage im Stadtplan


M?nnlichen Besuchern ohne Kopfbedeckung wird es untersagt, den jüdischen Friedhof zu betreten.

?ffnungszeiten / Eintritt:

  • Oktober bis M?rz:?
    Sonntag - Freitag 8 - 16.30 Uhr
  • April bis September:?
    Sonntag - Freitag 8 - 20 Uhr

Samstag und an jüdischen? Feiertagen geschlossen

Der Eintritt ist?frei !

Bitte beachten Sie:
kurzfristige ?nderungen / Schlie?ungen sind jederzeit m?glich; Einzelheiten laut Aushang am jüd. Friedhof.

Schlie?zeiten/ jüd. Feiertage:

Der jüdische Friedhof an folgenden jüdischen Feiertagen geschlossen:

2020

Pessach
08.04.2020 (ab 14 Uhr geschlossen)
09.04. - 10.04.2020
15.04. - 16.04.2020

Schawuoth
28.05.2020 (ab 14 Uhr geschlossen)
29.05. - 30.05.2020

Rosch Haschana
18.09.2020 (ab 14 Uhr geschlossen)
19.09. - 20.09.2020

Jom Kippur
27.09.2020 (ab 14 Uhr geschlossen)
28.09.2020

Sukkot
02.10.2020 (ab 14 Uhr geschlossen)
03.10. - 04.10.2020

Schemini Azereth
10.10.2020?

Simchat Thora
11.10.2020

Weitere Schlie?tage sind:

Karfreitag 10.04., 24. - 26.12. sowie 31.12.2020 + 01.01.2021?

?ffentliche Führungen

für Einzelg?ste und Kleingruppen bis 6 Personen von
April - November,
immer freitags um 11 Uhr
(NICHT an jüdischen Feiertagen sowie Karfreitag)

gebuchte Führungen für Gruppen

Vermittlung von Führungen bitte über die?Tourist Info?erfragen.

Linktipps

Jüdisches Worms

Datenbank der mittelalterlichen Grabsteine
Grabsteine und ihre Inschriften auf dem alten Judenfriedhof Worms (Projektleitung Prof. Dr. Michael Brocke, Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut, Duisburg/Essen)

Web-App "wo sie ruhen"?(Ein audio-virtueller Rundgang zu berühmten Grabst?tten auf historischen Friedh?fen in ganz Deutschland, darunter auch der "Heilige Sand" in Worms. Mit deutscher übersetzung der hebr?ischen Grabstein-Inschriften)

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